Mobile TV – die nächste vermeintliche Killerapplikation?
(März 2006)
Worauf man bei der Gestaltung Endkundenorientierter Mobile TV Services achten sollte
TV auf dem mobilen Endgerät soll der neue Hoffnungsmarkt der Mobilkommunikation in Europa werden. Die Fußballweltmeisterschaft im Sommer 2006 soll dem live übertragenen, bewegten Bild am Handy den erhofften Durchbruch am Markt bringen. Doch erste Erfahrungswerte mit mobilen TV Services zeigen, daß herkömmliches Fernsehverhalten nicht so einfach von der Couch auf die Straße übertragbar ist.
Eine Untersuchung von Sprint 2004 [1] hat gezeigt, daß die durchschnittliche Nutzungsdauer von mobilen TV Services weniger als 10 Minuten beträgt und zwar in Perioden, wo Benutzer nicht abgelenkt oder unterwegs in einem Verkehrsmittel sind.
Im allgemeinen jedoch sind Benutzer im mobilen Kontext oft abgelenkt, haben also nur geteilte Aufmerksamkeitsressourcen und kurze Perioden, mobilen TV Content zu konsumieren. Eine ähnliche Untersuchung [2] bestätigt diese Ergebnisse: die zeitlichen Möglichkeiten Mobiles TV anzuschauen sind kurz und meist auf Perioden in der Früh, zu Mittag oder am frühen Abend beschränkt, wo sich viele Benutzer auf dem Weg von und zur Arbeit oder Ausbildungsstätte befinden.
Die Zielgruppe verstehen heißt den Kontext der Benutzung verstehen
Mobiles TV wird also im Gegensatz zum herkömmlichen TV in einem anderen Kontext benutzt. Herkömmliches TV ist ein Lean-Back-Medium, dem ein Benutzer seine volle Aufmerksamkeit widmen kann und wo kaum Ablenkung besteht. TV in einem mobilen Kontext zu nutzen kann heißen, dass ich den Inhalten nicht die volle Aufmerksamkeit widmen kann, weil ich durch Umgebungsgeräusche, durch andere Tätigkeiten stärker abgelenkt bin. Daraus ergibt sich direkt der Servicecharakteristika mobilen TVs: Kein Benutzer schaut sich 2 Stunden Clint Eastwood auf einem mobilen Endgerät an; kurze Informationseinheiten in Form von News, Musikkanälen aber auch Kurzfilme [3] sind bevorzugte Benutzer-Services für mobiles TV. Den Kontext der Benutzung verstehen heißt hier das Medium und damit das Service Mobiles TV verstehen.
Entscheidend hierbei ist in einem zweiten Schritt das Design des Mobilen TV Service-Angebotes. Ein aus Benutzer- und Kontextanalysen gewonnenes Verständnis bildet die Basis für ein endkundenfreundliches Interaktionsdesign, sprich die Gestaltung der einzelnen Features. Soll der Endkunde Lust auf (weitere) bezahlte Benutzung der Services bekommen, muss ein intuitiver und schneller Einstieg in relevante TV Kanäle möglich sein.
Das von USECON ständig weiter entwickelte Set mobiler User Interface Design Guidelines beschleunigt die Zielgruppen-maßgeschneiderte Gestaltung der TV-Service-Elemente, die das entsprechende Geld in die Operatorkassen spülen soll. Damit lassen sich schließlich die entscheidenden Barrieren mobiler Komplexität abbauen, die einen potentiellen Erfolg des mobilen TV Serviceangebotes verhindern.
Mag. Bernhard Ferro
ferro@usecon.com
[1] Sprint, 2004 : MobiTV, www.mobitv.com , 2004
[2] Södergard, 2003: Mobile Television – technology and user experiences Report on the Mobile-TV project (Rep.No.P506) VTT Information Technology, 2003.
[3] Knoche, McCarthy 2005: Design requirements for Mobie TV, Proceedings of the 7 Th International Conference on Human Computer Interation with Mobile Devices and Services
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