Effektive Web Formulare – auch im Zeitalter von Webapplikationen
(März 2006)
Webformulare als Schnittstelle
Die Interaktion im Web passiert zu einem sehr hohen Anteil über Webformulare. Die Bedeutung von Formularen wird weiter zunehmen, wenn es darum geht Webapplikationen zu bedienen, Content zu manipulieren und online Käufe abzuschließen. Die Formulargestaltung hat somit einen direkten Einfluss darauf, ob ich mein Webmail, mein Blogg, den online Shop effizient bedienen kann. Wie wir bei diversen Projekten immer wieder beobachten können, erfolgt besonders bei Online Shops ein signifikanter Prozentsatz der Kaufabschlüsse über die Sitesuche und nicht über die Kategoriensuche (Browsing).
Gestaltung als entscheidender Faktor
Um eine möglichst effektive Interaktion mit den unterschiedlichsten Webformularen zu sichern benötigen die Benutzer entsprechendes Feedback, welche Felder für sie in dem jeweiligen Kontext in welchem Interaktionsschritt relevant sind. Da Webapplikationen zunehmen stellt sich die Frage, inwieweit klassische Webformulare noch zielführend sind, die lineare Prozesse abbilden als komplexere Daten- und Contentmanipulationen durchzuführen.
Warum, Was, Wie und Wo in Formularen
Generell gilt es einige Richtlinien bei der Gestaltung von Webformularen zu bedenken, die wichtigsten aus dem umfangreichen USECON-Erfahrungsschatz seien hier wiedergegeben:
- So lang wie notwendig, so kurz als möglich .
Das Formular soll nur die Elemente beinhalten, die absolut notwendig sind um eine "sinnvolle" Interaktion zu ermöglichen. Der "Wert" einer vom Benutzer angefragten Information ist bei jedem zusätzlichen Element zu hinterfragen.
- Notwendige Pflichtfelder überlegen und kennzeichnen.
Überlegen Sie auch hier, ob eine abgefragte Benutzer Information "wirklich" wichtig für ihr Unternehmen bzw. für den Interaktionsschritt ist. Wenn ja, sollte das Element klar als Pflichtfeld gekennzeichnet werden.
- Richtige Auswahl an Elementen und deren Anordnung.
Jede Aufgabe, jeder Schritt erfordert die "richtige" Auswahl, Kombination und Anordnung an Formularelementen, damit dem Benutzer klar ist was "jetzt und hier" zu tun ist. Hat der Benutzer z.B. mehr als 5 alternative Auswahlmöglichkeiten, sollten Sie eine "Select Box" statt 5 Radiobuttons verwenden.
- Sinnvolle Länge von Feldern.
Die Länge der Felder mit Textinput sollte dem erwarteten Inhalt entsprechen. Namensfelder sollten demnach nicht zu kurz gestaltet sein.
- Benennung der Elemente.
Um Verwirrung zu vermeiden sollten Formularelemente, besonders Inputfelder mit verständlichen Labels bezeichnet sein. Es hilft gerade unerfahrenen Benutzern zum Beispiel das Suchfeld mit "Suche" zu bezeichnen.
- Beispiele anführen.
Bei Feldern, die eine spezielle Eingabe erfordern, sollten Sie Beispiele anführen, um Eingabefehler zu vermeiden.
- Sprechende Fehlermeldungen verwenden.
Sollten die Benutzer doch einen Eingabefehler gemacht haben oder z.B. Probleme in der Kommunikation mit dem kontaktierten Server bestehen, geben Sie informative Fehlermeldungen aus, die das Problem dort wo es aufgetreten ist beschreiben.
Je nach Kontext in dem ein Webformular eingesetzt wird, gibt es noch viele weitere Möglichkeiten Benutzer bei der Verwendung von Formularen zu unterstützen. Gutes Beispiel dafür sind aktuelle (technische) Trends wie "live search", die z.B. bei Suchmaschinen (Google suggest) oder bei Webmailern (Yahoo! Mail) eingesetzt werden, um den Benutzern relevante Alternativen schon beim Tippen anzuzeigen und den "best match" gleich auswählen zu können.
Je eher die Benutzer das Gefühl haben, die Kontrolle über die Interaktion mit Ihrem System zu haben, umso wohler werden sie sich fühlen und umso besser wird die gesamte User Experience sein.
Michael Bechinie
bechinie@usecon.com
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