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Internet als Massenmedium? - "Must haves" auf dem Weg dorthin

(Februar 2006)

Die „Kluft“

Geoffry Moore beschreibt in seinem Buch "Crossing the Chasm" [1] wie sich eine Innovation von der reinen Technologie zu einem Produkt wandeln muss, damit Innovationen von einer großen Mehrheit akzeptiert und letztendlich gekauft werden. Dabei gilt es die "Kluft" (Chasm) zwischen visionären Erstanwendungen und den Anwendungen für einen Massenmarkt zu überspringen. Rund 50% der EU Haushalte haben derzeit Zugang zum Internet [2]. Entwickelt sich das Internet gerade zu einem Massenprodukt, zumindest in Europa?

Abbildung nach Moore [1]

Studien zeigten schon vor mehr als 10 Jahren, dass ein durchschnittliches User Interface 40 Probleme hat [2], wobei man heute annehmen kann, dass die Anzahl der Probleme eines Web User Interface höher liegen. Aus einer USECON-Studie geht hervor, dass 60% der Benutzer die Interaktion im Web als mühsam, anstrengend, ärgerlich, ermüdend bezeichnen und sich verunsichert, hilflos, frustriert, überfordert und "im Stich gelassen" fühlen [3/4]. Insgesamt keine guten Voraussetzungen um die Kluft erfolgreich zu überwinden.

Herausforderungen auf dem Weg zum Massenprodukt

Wollen Anbieter "e-Services" (e-commerce, e-entertainment, e-goverment, e-health etc.) zu akzeptablen und erfolgreichen, das heißt auch verkaufbaren Lösungen machen, wird die "reine Technologie" in den Hintergrund treten müssen und Faktoren wie Bequemlichkeit (Convenience), Einfachheit in der Bedienung (ease of use) in den Vordergrund gerückt werden. Die positive "Benutzergesamterfahrung" (total user experience) wird DER entscheidende Faktor für nachhaltige Kundenbindung, die nur über den "radikalen" Weg von der Technologie über das Produkt zum Service erreicht werden kann.

Die wichtigsten Herausforderungen denen sich Anbieter von Internetanwendungen stellen müssen sind:

  • Wer sind all diese Leute die das Internet benutzen und noch benutzen werden?
  • Mehr Möglichkeiten bedeuten auch mehr neue Benutzer.
  • Entwicklungszyklen von Internetservices laufen auch in "Internetzeit" ab.
  • Der "schnell-mal-was-hinstellen" Ansatz funktioniert nicht mehr.
  • "Amateur" Usability reicht nicht aus.
  • Web wird mobil werden und damit eine größere Verbreitung als je zuvor erfahren.

User Interface Prinzipien als "must haves"

Sollen sich Internetanwendungen und Services als Massenprodukt durchsetzen, müssen sie viel noch viel bequemer und einfacher in der Anwendung werden. Dazu reicht reines Marketing nicht aus, auch wenn sich oft das "schlechtere" Produkt mit dem besseren Marketing durchsetzt. Für die Benutzer ist das Interface das [eigentliche] Produkt hat Jef Raskin gesagt, der in den 1970er maßgeblich an der Entwicklung des Apple Macintosh Computers mitwirkte. Um ein User Interface so zu gestalten, dass es den Anforderungen unterschiedlichster Benutzer- und damit Kundengruppen entspricht gibt es Prinzipien die bei der Gestaltung von (Internet) Anwendungen beachtet werden sollen:

  • Achte auf die Konsistenz in der Gestaltung
  • Biete Feedback für den Benutzer auf seine Aktionen
  • Unterstütze die effiziente Erledigung der Aufgaben
  • Erlaube Flexibilität in der Bedienung
  • Biete klare Ausgänge in allen Zuständen
  • Wähle Bezeichnungen in der Sprache der Benutzer
  • Gestalte generell aufgabenorientiert
  • Der Benutzer soll die Kontrolle über das System behalten
  • Das Interface soll Bedienfehler "verzeihen" und Korrekturen zulassen
  • Minimiere die Denkleistung bei der Bedienung
  • Schaffe Transparenz
  • Beachte die ästhetische und emotionale Wirkung

Die User Interface Design Prinzipien sind eine Grundlage im Usability Engineering, das ein Prozess ist, der viele Techniken bietet um die "Benutzergesamterfahrung" (total user experience) zu designen und von der Analyse über Design bis zur Evaluation von Designlösung reicht. Wenn der Benutzer in den Mittelpunkt der Entwicklung gestellt wird, dann wird Web 2.0 nicht nur ein Schlagwort bleiben sondern eine Chance bieten und Anwendungen so einfach wie das Lesen einer Zeitung werden. Bis dorthin wird es jedoch noch ein weiter Weg sein, denn im Durchschnitt sind laut aktuellen Statistiken erst knapp 16% der Weltbevölkerung online [5].

Mag. Michael Bechinie
bechinie@usecon.com

[1] Moore, Geoffrey (1991, 2002) Crossing the Chasm
[2] http://epp.eurostat.cec.eu.int
[3] Landauer (1995) The Trouble with Computers
[4] User Experience Studie "Wohlfühlen im Web" (USECON 2003)
[5] http://www.internetworldstats.com/stats.htm

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