Rich Internet Applications - es bleibt alles beim Alten!
(Dezember 2005)
Unter dem Begriff Rich Internet Application (RIA) werden
Anwendungen zusammengefasst, die eine desktop-ähnliche Bedienung
von Anwendungen im Internet-Browser ermöglichen und den Benutzern
eine User Experience garantieren soll, die sich stark an bereits
gelernte Interaktionsformen aus der herkömmlichen Software-Welt
anlehnt. Aber selbst in der "schönen, neuen Web Users
Interfaces Welt" werden alte Prinzipien der Benutzbarkeit über
Akzeptanz oder Ablehnung einer Anwendung durch die Benutzer entscheiden.
Verbesserte Interaktionsmöglichkeiten im Web
Für die technische Umsetzung von Rich Internet Applications
stehen eine Reihe verschiedener Technologien zur Verfügung
die unterschiedlich lange am Markt verfügbar sind. Im Grunde
kreisen die Umsetzungsvarianten jedoch um die Technologien wie z.B.
"Macromedia Flash", "XML", "JavaScript"
und "DHTML". In der jüngeren Vergangenheit hat ein
von Jesse James Garrett geprägter Begriff [1] besonders starkes,
mediales Echo ausgelöst – AJAX. AJAX ist eine Abkürzung
für "Asynchronous Javascript
and XML". Das Konzept dahinter
besteht darin, dass bei der Datenübertragung zwischen Server
und Browser, je nach Bedarf Teile einer HTML-Seite nachgeladen werden.
Bekanntheit erlangt hat AJAX z.B. durch die Webmailanwendung "Gmail"
(www.gmail.com)
von Google oder die online Photoverwaltung "Flickr" (www.flickr.com)von
YAHOO. Mit Hilfe derartiger Technologien können so praktische
Features für eine einfachere Bedienung von Internetanwendungen
umgesetzt werden. Im Fall von "Gmail" gibt es z.B. beim
Erstellen einer Nachricht ein "automatisches Abspeichern",
ähnlich wie in einem Textbearbeitungs-programm. So bleibt eine
verfasste Nachricht auch dann erhalten, selbst wenn der Internet-Browser
"abstürzt" und der Benutzer die Nachricht nicht aktiv
gespeichert hat.
Alles ist möglich, Technologie als Falle
Durch die Anwendung entsprechender "neuer-alter" Technologien
ergeben sich erweiterte Interaktionsmöglichkeiten im Webumfeld,
die der verbesserten User Experience sehr entgegenkommen. Für
Entwickler ist aber dadurch die Versuchung groß geworden User
Interfaces nach dem Prinzip zu gestalten: "klicken Sie auf
dieses nicht nahe liegende Ding und sie werden eine nicht nahe liegende
Reaktion erhalten". In der Community hat sich schnell herausgestellt,
dass die vermeintlich verbesserte User Experience von applikationsähnlichen
Websites stark darunter leiden kann wenn grundlegende Usability-Prinzipien
verletzt werden. Als häufigste Usability Probleme in Zusammenhang
mit AJAX werden genannt [2 bis 4]:
- Nicht funktionierender Back-Button
- Nicht Bookmarkbare Seite
- Unerwartetes Scrollen von Seiten (z.B. durch dynamisches Nachladen
der Seite)
- Nicht kontrollierbare, serverseitige Aktionen (z.B. keine Bestätigungsseiten)
- Gebrauch unkonventioneller User Interface Elemente
- Gebremste Antwortzeit der Webseite durch Browser Server Kommunikation
- Erschwerte Indizierbarkeit durch Suchmaschinen
- Nicht barrierefreier Zugang (für z.B. Screenreader, PDAs,
Mobile Phones)
Benutzbarkeit entscheidet auch hier über den Erfolg
Auch die Entwicklung von Rich Internet Applications sollte daher
auf Regeln der einfachen Benutzbarkeit zurückgreifen, die sich
zum Beispiel in dokumentierten Standards, Gestaltungsrichtlinien
und Patterns wieder finden und wie sie USECON beispielsweise in
Design Projekte einbringt. In Hinblick auf die Gestaltung der User
Experience unterscheidet sich die Entwicklung von Rich Internet
Applications daher nicht wesentlich von der Entwicklung herkömmlicher
Websites oder Software-Anwendungen – so bleibt also doch alles
beim Alten.
Mag. Michael Bechinie
bechinie@usecon.com
[1] Garrett, J. (2005), Ajax: A New Approach to Web Applications
http://www.adaptivepath.com/publications/essays/archives/000385.php
[2] Baekdal, T. (2005), XMLHttpRequest Usability Guidelines
http://www.baekdal.com/articles/Usability/XMLHttpRequest-guidelines/
[3] Mahemoff, M. (2005), AJAX Patterns: Design Patterns for AJAX
Usability
http://www.softwareas.com/ajax-patterns
[4] Bosworth, A. (2005), Ajax Mistakes
http://sourcelabs.com/ajb/archives/2005/05/ajax_mistakes.html
|