Technologie für Menschen mit Einschränkungen - bitte warten?
(September 2005)
Alte und behinderte Menschen stellen Benutzergruppen mit speziellen
Bedürfnissen dar, die im heutigen Europa schon rund 20% der
Bevölkerung ausmachen. Durch unzureichende Gestaltung von "Schnittstellen"
bei Geräten und Services werden diese Menschen von der Teilnahme
an der Gesellschaft ausgeschlossen. Ein wichtiger Bestandteil eines
"Design for All" stellt daher die Barrierefreiheit dar.
Laut dem Bericht über die Lage der behinderten Menschen in
Österreich 2003 [1] gibt es, u.a. 476.000
Personen (6,7 % der Bevölkerung) die mindestens eine Bewegungsbeeinträchtigung
anführen, 456.000 Personen (6,4 % der Bevölkerung) die
hör-beeinträchtigt sind und 3,087.000 Personen (43,4 %
der Bevölkerung) die mindestens eine Sehbeeinträchtigung
aufweisen. Ein weiterer Trend in der Entwicklung Europas ist die
Zunahme der älteren Menschen, die heute 16 % der Gesamtbevölkerung
bzw. 24 % der Gruppe, die als Bevölkerung im erwerbsfähigen
Alter bezeichnet wird (15-64 Jahre) darstellen. Bis zum Jahr 2010
wird mit einem Anstieg dieser Quote auf 27 % gerechnet [2].
In der Studie "The Economic Consequences of Ageing Population"
schreiben die Autoren, daß Menschen mit speziellen Bedürfnissen
wie alte und behinderte Menschen in Europa schon rund 20% der Bevölkerung
ausmachen und daher ein nicht zu unterschätzendes Marktsegment
darstellen [3].
Produkte und Services werden ohne Kenntnis der Bedürfnisse
entwickelt
Wie sieht es aber mit der Gebrauchstauglichkeit von Produkten und
Services aus, die Menschen mit Einschränkungen das tägliche
Leben erleichtern sollen? Eine Studie von "Sense", eine
der führenden britischen Organisationen die Taubblinde unterstützt,
hat eine Studie veröffentlicht die unterschiedliche technologische
Geräte auf deren Benutzbarkeit durch Taubblinde beschreibt
[4]. Obwohl diese Studie eine sehr spezielle Benutzergruppe
herangezogen hat lassen sich jedoch sehr gute Rückschlüsse
ziehen, die auch auf Menschen mit anderen Behinderungen zutreffen.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 79% der Befragten "assistive
Technologie" (Hilfsgeräte) im täglichen Leben verwenden.
45% der Befragten gaben an Schwierigkeiten bei deren Verwendung
zu haben. Oft werden komplizierter Batteriewechsel, unpassende Gerätgrößen,
schlechte Lautstärkenregelung etc. beanstandet, wobei sich
die meisten Schwierigkeiten daraus ergeben, dass die Hersteller
ein zu geringes Wissen um die Bedürfnisse dieser Menschen haben.
Weiters gaben 59% der Befragten an mit ganz herkömmlichen Haushaltsgeräten
nicht zurecht zu kommen, wobei die meisten Probleme bei TV-Geräten,
Fernbedienungen, Mobiltelefonen, Herden und Waschmaschinen aufgetreten
sind. Genannt wurden Probleme wie "versteckte Knöpfe"
das Fehlen von taktilen Markierungen, zu kleine Schriftgrößen,
schlechte Kontraste, zu leise Töne etc. Schließlich konnte
die Studie auch noch ein interessantes Detail in Bezug auf das angebotene
Kundenservice zeigen. Nur 41% haben die notwendige Beratung bei
der Auswahl der passenden Geräte erhalten. Von den weiteren
41% die keine Beratung erhalten haben hätten sich 58% Beratung
gewünscht.
Diese und viele weitere Studien zeigen, daß für Menschen
mit speziellen Bedürfnissen die Vor- und Nachteile sogar herkömmlicher
Technologien sehr nahe beisammen liegen können. Wenn wir darüber
hinaus "neue" Technologien wie z.B. das Internet betrachten,
das ermöglicht sich rasch, mobil und eigenständig Informationen
zu beschaffen, ergeben sich für spezielle Benutzergruppen viele
neue Barrieren, Zugänglichkeitsfallen und Benutzbarkeitsprobleme.
"Design for All" durch Usability Engineering
Um dem Ziel näher zu kommen, allen BürgerInnen einen
barrierefreien Zugang zum Internet zu verschaffen, wurde vom Europäischen
Rat im Juni 2000 eigens ein Aktionsplan "eEurope 2002"
verabschiedet. Um z.B. Webseiten barrierefrei zu gestalten, gibt
es internationale Richtlinien, die sowohl bei der konzeptionellen
als auch bei der technischen Umsetzung berücksichtigt werden
müssen. Weltweit wurde in vielen Staaten die barrierefreie
Gestaltung von Internet-Auftritten bereits gesetzlich verankert
und damit ein wichtiger Beitrag zur Überwindung der "digitalen
Spaltung" der Informations- und Kommunikationsgesellschaft
geleistet. Österreich hat im E-Government Gesetz verankert,
daß Behörden, die elektronisch Informationen anbieten
oder Verfahren unterstützen, mit 1. Jänner 2008 für
Menschen mit Behinderungen barrierefrei zugänglich sein müssen.
Für den Zugang zu Technologie im Allgemeinen ist es deshalb
unbedingt erforderlich, daß Produkte und Services den Bedürfnissen
behinderter und auch älterer Menschen entsprechend konzipiert
und je nach Art der Behinderung entsprechende Alternativen angeboten
werden müssen. Das konsequente zu Ende Denken dieses Ansatzes
führt zu einem "Design for All" das den "Zugang
für Alle" zu Technologie ermöglicht, unabhängig
von Alter, Behinderung oder Nicht-Behinderung. Die Entwicklung von
barrierefreien Produkten und Services kann schnell zu einem Unternehmen
mit hoher Komplexität werden, da bei deren Entwicklung unterschiedlichste
Faktoren berücksichtigt werden müssen. USECON nimmt in
diesem Prozess immer die Sicht der Benutzer bzw. der unterschiedlichen
"Stakeholder" ein und reduziert durch den richtigen Mix
von Usability Engineering Methoden systematisch die Komplexität.
USECON setzt dabei auf ein weites Spektrum an Methoden, das von
der Einbindung von Benutzern bei Bedarfsanalysen über konzeptionelles
Design bis hin zu Benutzertests bei der Evaluation reicht.
Lassen Sie Ihre Kunden nicht warten, geben Sie Ihnen schon heute
Produkte und Services in die Hand die gut funktionieren –
für alle!
Mag. Michael Bechinie
bechinie@usecon.com
[1] Bundesministerium für soziale Sicherheit
und Generationen: Bericht über die Lage der behinderten Menschen
in Österreich 2003
[2] Bericht der Europäische Union: The social
situation in the European Union 2004.
[3] Mc Morrow K, Roeger W, The Economic Consequences
of Ageing Population. A Comparison of the EU, US and Japan. European
Commission, Directorate-General for Economic and Financial Affairs,
1999.
[4] Sense: make technology work. Report on technology
access for deafblind people 2005.
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