Usability Engineering eröffnet Marktchancen
(Juni 2005)
Was kann man tun, damit Geräte besser bedienbar und Websites
nutzerfreundlicher werden? GEO sprach mit Dr. Peter Messner vom
Center for Usability Research and Engineering (CURE) in Wien
GEO: Herr Dr. Messner, was gewinnt ein Verbraucher
durch "Usability Engineering" (UE)?
Messner: Nach einer internationalen Norm von 1995
gehören zu Gebrauchstauglichkeit drei Aspekte: Der Kunde muss
sein Ziel an einem Produkt vollständig und präzise erreichen
können, wenig Aufwand für eine fehlerfreie Handhabung
benötigen und keinen Anlass zu Beschwerden haben. Diese Punkte
heißen Effektivität, Effizienz, Zufriedenheit. Wir streben
das zum Beispiel im Bereich des Online-Banking an, um einem Bankkunden
die elektronische Geldanweisung zu vereinfachen.
GEO: Welchen Vorteil bringt UE für ein Unternehmen?
Messner: Wir wissen, dass UE sich lohnt, aber
es gibt keine einfache Formel, mit der dies für alle möglichen
Fälle ausgerechnet werden kann. UE reduziert jedoch zum Beispiel
den Lernaufwand und damit Kosten bei der Schulung des Personals,
und es entfallen Ausgaben aufgrund falscher Bedienung. Auch die
Entwicklung neuer Produkte lässt sich effizienter und kostengünstiger
gestalten. Ganz entscheidend für mich scheint die Kundenbindung
zu sein: Wenn ein Verbraucher weiß, dass er das Angebot eines
bestimmten Unternehmen gut und verlässlich nutzen kann, fällt
seine Wahl wieder auf Produkte derselben Firma.
GEO: Sollte UE zur Standardausbildung von Technikern
gehören?
Messner: Jeder Ingenieur sollte die Grundsätze
beigebracht bekommen, um das notwendige Verständnis mitzubringen.
Für das so genannte User Interface Design - die Gestaltung
der interaktiven Schnittstelle - braucht man aber Fachleute, die
dafür speziell geschult werden. Schließlich würde
auch niemand auf die Idee kommen, dass der Mechaniker oder Techniker,
der für das Innenleben eines Autos zuständig ist, die
Karrosserie designt.
GEO: Nimmt durch die schlechte Konjunktur die
Bereitschaft für UE in Europa eher zu oder ab?
Messner: Immer mehr Unternehmen begreifen die
Marktchancen, die sich durch UE eröffnen. Dabei wächst
offenbar gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten die Bereitschaft,
in besondere Qualitätsmerkmale wie Gebrauchstauglichkeit zu
investieren. Derzeit fördert die Europäische Union mehrere
zentrale UE-Projekte; in dreien davon ist CURE involviert.
GEO: Inwiefern geht UE über gebrauchstechnische
Verbesserungen an Geräten hinaus?
Messner: UE reicht bis in die Organisationsstruktur
von Firmen hinein. Zum Beispiel bringt auch ein gutes Produkt nichts,
wenn der Kundendienst bei Rückfragen nie erreichbar ist und
der Manager der Firma von diesem Problem nichts weiß. Ein
Mobilfunkkunde von uns versucht derzeit, durch bessere Vernetzung
verschiedener Abteilungen über solche Schwachstellen Auskunft
zu bekommen. Dieses Vorgehen, das die gesamten guten und schlechten
Erfahrungen sammelt, die ein Kunde mit einem Produkt macht, nennt
sich "User Experience"-Ansatz.
GEO: Was steht UE entgegen?
Messner: Vor allem eine psychologische Hemmschwelle.
Diese scheint mir in deutschsprachigen Ländern besonders hoch
zu sein. Kritik an einem Produkt wird oftmals als Angriff auf die
Reputation der Techniker oder Entwickler aufgefasst, die sich bemühen,
auf Anhieb ein möglichst perfektes Erzeugnis zu entwickeln.
In den USA oder Skandinavien ist das völlig anders: Hier wird
der Kunde von vornherein in die Entwicklung einbezogen, und es herrscht
ein sehr viel demokratischeres Verhältnis zwischen den verschiedenen
Lagern. Dadurch lernen alle voneinander.
TEXT VON Juergen Broschart
Interview auf www.geo.de
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