CHI2005 - Erforschung von Benutzerbedürfnissen
als Schlüssel zum Produkterfolg
(Mai 2005)
Nach einer überaus erfolgreichen CHI2004 in Wien - die unter
der Leitung von Manfred Tscheligi stand - hat diese Konferenz als
wichtigste internationale Konferenz zum Thema Mensch Computer Interaktion,
dieses Jahr in Portland (Oregon, USA) Station gemacht.
Jedes Jahr werden rund 200 wissenschaftliche Arbeiten präsentiert,
die einen guten Überblick über den aktuellen Forschungsstand
in den unterschiedlichsten Teilgebieten bieten, wobei auch übergreifende
Themen, wie z.B. "Privacy" behandelt werden.
So etwa wurde aus dem Bereich "Loaction based Services und
Privacy" im Rahmen einer Feldstudie untersucht, unter welchen
Bedingungen Besitzer eines mobilen Endgeräts bereit sind bestimmte
Informationen über ihren Aufenthaltsort ihnen bekannten Personen
mitzuteilen ("Location Disclosure to Social Relations: Why,
When, & What People Want to Share").
Die Ergebnisse der Untersuchung haben gezeigt, dass die Bereitschaft
der Benutzer den aktuellen Standort bekannt zu geben davon abhängt,
wer und zu welchem Zweck die Anfrage stellt, und welcher Detailgrad
der Angabe des Standortes gewünscht war. In 77% aller gestellten
Anfragen machten die Benutzer sehr genaue Angaben über ihren
Standort. Kam die Anfrage von einem ihnen sehr nahe stehenden Menschen
wurden 93% der Anfragen beantwortet. Kamen die Anfragen von Mitarbeitern
lag der Prozentsatz bei 53%, bei Anfragen durch Vorgesetzte gaben
nur noch 34% ihren Standort bekannt. Auch die gerade ausgeführten
Aktivitäten und die Stimmung der Benutzer hatte darauf Einfluss
den Standort bekannt geben zu wollen. So gaben z.B. Benutzer in
eher deprimierter Stimmung in 85% der Anfragen ihren Standort bereitwillig
an.
Wie diese Untersuchung und unsere Projekterfahrungen zeigen, sind
solche benutzerorientierten Fragestellungen insofern relevant, als
sie Aufschluss darüber geben welche Aspekte bei der Entwicklung
von zum Beispiel "location based" Technologien und Services
berücksichtigt werden müssen, um daraus eine entsprechende
Akzeptanz bei den künftigen Benutzern zu erreichen, die in
ihrer Rolle als Konsument letztlich auch über den wirtschaftlichen
Erfolg oder Misserfolg einer Anwendung entscheiden.
Dies ist nur eines von vielen Beispielen wo empirische Untersuchungen
(im Feld oder im Labor) zu Erkenntnissen über Fragen zur Ausgestaltung
der Interaktion zwischen Mensch und System dienen können. Kein
noch so innovatives Service kommt ohne diese Betrachtungen aus,
um wirklich erfolgreich zu sein.
Mag. Michael Bechinie
bechinie@usecon.com
Consolvo, S., Smith, I.E., Matthews, T., LaMarca, A., Tabert, J.,
Powledge, P. (2005): Location disclosure to social relations: why,
when, & what people want to share. Proceedings of CHI2005 -
the SIGCHI Conference on Human factors in Computing Systems p. 81
– 90.
|